Patina Berlin über das Neupolstern eines Klassikers

Was passiert, wenn ein Designklassiker neu gepolstert wird? Bei Patina Berlin geht der Prozess über den bloßen Austausch des Bezugs hinaus. Als der Ekstrem™ durch ihre Hände ging, wurde er zu einer Gelegenheit, genauer hinzusehen – auf Materialien, Konstruktion und die Ideen, die den Stuhl bis heute prägen.

Im Zentrum der Arbeit von Patina Berlin steht ein tiefes Verständnis und Respekt für die Objekte, mit denen sie arbeiten. Für sie bedeutet Restaurierung nicht, etwas einfach wieder wie neu aussehen zu lassen, sondern zu verstehen, was ein Möbelstück überhaupt bewahrenswert macht. Jedes Objekt folgt einer eigenen Logik – in seiner Form, seiner Konstruktion und in der Art, wie es genutzt werden soll.

Auf die Frage, was einen Designklassiker ausmacht, verweist Patina auf mehr als nur ikonische Formen oder Wiedererkennbarkeit: „Ein echter Klassiker bleibt relevant, weil er etwas löst – Fragen des Komforts, der Funktion oder wie Menschen im Laufe der Zeit mit Objekten leben. Ein echter Klassiker besteht den Alltag“, erklären sie. „Er kann altern, repariert werden und auch Jahre später noch begehrenswert wirken.“ Genau solche Stücke sind es, mit denen Patina am liebsten arbeitet – Objekte, die nicht nur gut aussehen, sondern dafür entworfen wurden, Nutzung, Reparatur und Neuinterpretation über die Zeit hinweg zu überdauern.

„Ein echter Klassiker besteht auch den Alltag: Er kann altern, repariert werden und auch Jahre später noch begehrenswert wirken.“

„Der Ekstrem™ passt ganz natürlich zu unserer Vorstellung eines Designklassikers. Er versucht nicht, allen zu gefallen – und genau deshalb hat er Bestand. Skulptural, verspielt und ein wenig rebellisch wirkt er fast wie eine funktionale Skulptur. Doch seine Form hat einen klaren Zweck: Sie verändert, wie man sitzt. Als wir ihn zum ersten Mal gesehen haben, dachten wir, er sei eine funktionale Skulptur. Und je länger man mit ihm lebt, desto besser versteht man die Idee dahinter. Es geht um Bewegung, nicht um eine ‘richtige’ Sitzposition“, sagen sie.

Das Neupolstern des Ekstrem™ erwies sich laut dem Team von Patina als intensiver Prozess – im positiven Sinne. Durch die offene, skulpturale Form des Stuhls bleiben jede Naht, jede Kurve und jeder Spannungspunkt sichtbar. „Es gibt keinen Raum, um etwas zu verstecken. Was uns beim Öffnen des Stuhls am meisten überrascht hat, war, wie durchdacht die Konstruktion unter der Oberfläche ist. Von außen wirkt er verspielt und weich, doch er ist so gebaut, dass er viele verschiedene Sitzpositionen unterstützt und gleichzeitig seine ikonische Silhouette bewahrt“, erklären sie.

Die enge Arbeit mit dem Stuhl hat auch ihre Wahrnehmung verändert. Vor der Restaurierung sahen sie den Ekstrem™ vor allem als mutiges, verspieltes Objekt – fast wie etwas aus der Popkultur. Doch während der Arbeit wurde eine weitere Ebene sichtbar. „Man erkennt, dass die Form nicht zufällig ist. Sie ist ein sehr bewusstes Konzept von Unterstützung und Freiheit – nur auf eine spielerische Weise ausgedrückt. Was zunächst rein skulptural wirkt, entpuppt sich als sorgfältig durchdachtes funktionales Design.“

Auf diese Weise mit einem Stuhl zu arbeiten, lenkt auch die Aufmerksamkeit auf die Rolle der Materialien. Bei einem Stück wie dem Ekstrem™, bei dem der Körper die Oberfläche aus vielen Winkeln berührt, prägt die Stoffwahl das gesamte Erlebnis. Textur und Reibung werden entscheidend, wenn man zwischen Sitzpositionen wechselt. Wie das Team von Patina erklärt, ermöglichen manche Stoffe ein Gleiten, während andere mehr Halt bieten. Weichheit, Atmungsaktivität und Temperatur beeinflussen zusätzlich, wie sich der Stuhl im Laufe des Tages anfühlt.

„In gewisser Weise wird die Reparatur Teil der Geschichte: Sie zeigt, dass das Objekt wichtig genug war, genutzt, gepflegt und im Umlauf gehalten zu werden – anstatt weggeworfen zu werden.“

Für Patina liegt die Motivation, Möbelklassiker aufzuarbeiten, zum Teil im Respekt vor dem ursprünglichen Design und zum Teil in der Frustration darüber, wie wegwerfbar Möbel heute geworden sind. Die Arbeit mit gut gefertigten Stücken zeigt, dass sie meist nicht ersetzt werden müssen – sondern einfach Pflege benötigen. Durch Reparatur und neue Materialien kann ein Objekt weiter genutzt werden, statt ersetzt zu werden.